Frage 71: Bewertung der Anlagen – Spurarbeit und Suche auf der Verbandsjugendprüfung (VJP)

Bei einer VJP zeigt ein Hund bei warmem Wetter, besonders was die Spurarbeit und die Suche betrifft, sehr unterschiedliche Arbeiten. Die drei Spurarbeiten werden mit „sehr gut – 10 Punkte“, „genügend – 3-4 Punkte“ bewertet und die dritte Spur wird vom Hund nicht angenommen. Die Verbandsrichter der Gruppe vergeben das Gesamtergebnis „gut – 6 Punkte“. Daraufhin bittet der Führer ihm doch noch eine weitere Gelegenheit zur Spurarbeit zu geben. Dem Wunsch des Führers wird stattgegeben. Diese Spur wird mit „genügend – 4-5 Punkte“ bewertet. Die endgültige Bewertung lautet „genügend – 5 Punkte“.

Auch bei der Suche zeigt der Hund sehr unterschiedliche Arbeiten. Die erste Suche (überwiegend Trabsuche) „gut – 7 Punkte“. Die zweite Arbeit „sehr gut – 11 Punkte“ und die dritte Arbeit „sehr gut – 9-10 Punkte“. Gesamturteil „gut – 8 Punkte“.

Frage: Wie kommt man auf einer VJP zum Gesamtergebnis in den einzelnen Anlagefächern?

  1. den (mathematischen) Durchschnitt der Arbeiten errechnen
  2. nur die beste Arbeit bewerten   oder
  3. die beste Arbeit bewerten – mit kleinen Abzügen

Antwort: Es ist in jedem Fall falsch nach einem festen Schema zu bewerten. Der §9 der VZPO führt aus: Da sich die natürlichen Anlagen beim jungen Hund bei verschiedenen Gelegenheiten oft unterschiedlich zeigen, ist für die anschließende Urteilsfindung der gewonnene Gesamteindruck unter Berücksichtigung des Alters und des Ausbildungsstandes des Hundes bestimmend.

Begründung: Einen Hund auf einer VJP zu bewerten, ist wohl eine der schwierigsten und verantwortungsvollsten Aufgaben eines Verbandsrichters.

Es ist nahezu unmöglich, alle Kriterien aufzugreifen, die beim Gesamteindruck berücksichtigt werden sollten. Es gilt vor allem alle äußeren Faktoren (Temperatur, Tageszeit, Bodenbewuchs, Feuchtigkeit usw.) zu berücksichtigen, insbesondere bei der Arbeit auf der Spur. Gerade die Bodenbeschaffenheit bzw. der Bewuchs sind oft entscheidende Faktoren, wie der Hund die Spur arbeitet bzw. ob er die Spur nasenmäßig wahrnimmt. Unter welchen Bedingungen und wie (Bemühen des Hundes bei Schwierigkeiten, Haken Bewuchswechsel und Hindernisse) die Spuren gearbeitet wurden, ist wichtig. Zeigt der Hund ein überwiegend positives Verhalten, so ist der Gesamteindruck auch bei geringer Entfernung besser, als wenn ein Hund eine leichte Spur sehr weit verfolgt aber sonst unkonzentriert ist und bei jeder Schwierigkeit abbricht. Auch bei der Suche sind die äußeren Bedingungen, wie die Tageszeit, die Temperatur und das Wildvorkommen mit zu berücksichtigen. Zusammengefasst kann gesagt werden, das auf einer VJP sowohl positives als auch negatives Verhalten eines Hundes in der Gesamtbewertung mit eingehen müssen, aber der gewonnene Gesamteindruck maßgebend ist und nicht das rechnerische Mittel aller Arbeiten. Die Beurteilung der Anlagefächer liegt immer im Ermessen der Verbandsrichter .